Folienhauben
Oberflächentechnik - Erst
eine folie warmformen und dann hinterspritzen, so lautet die
kostengünstige Antwort auf gestiegene Ansprüche bei der
Oberflächenqualität.
Bild 1 Die Warmformmaschine erlaubt bei der Verarbeitung von Dekorfolien ein schmales Temperaturfenster.
Gerade bei grobflächigen Teilen, Teilen mit hoher Masse und
Gas-innen-Druckteilen fordert eine hohe Oberflächenqualität
ihre Tribute. Lange Zykluszeiten, hoher Ausschuß sind nur einige
der negativen Punkte. Heute versucht der Anwender durch
Dekorieren des Formteils eine hohe Güte der Sichtfläche zu
erreichen. Entweder er beschichtet das Formteil mit Folien oder
legt bereits in die Spritzgießform Dekormaterial, wie Gewebe
oder Folien ein. Allen Verfahren gemeinsam ist, daß entweder die
Spritzgießform oder die nachfolgenden Operationen eine spezielle
Anpassung benötigen. Problem ist vor allem der ungewollte
Faltenwurf.
Ein anderer möglicher Weg ist die Kombination von Warmformen und
Spritzgießen. Zunächst wird über die Warmformmaschine eine
Haube aus geeigneter Folie erstellt und anschließend in einem
Spritzgießstandardwerkzeug hinterspritzt. Umbuge bis zu 180°
sind möglich. Die Unabhängigkeit der beiden Verfahren bleibt
erhalten. Der Anwender benötigt keine Spezialmaschinen. Mit dem
Haubenhinterspritzen können z.B. dekorierte und lackierte
PP-Folien warmgeformt und mit einem kostengünstigen Recycling-PP
hinterspritzt werden. Beim Kontakt der Schmelze mit der
Folienhaube schmilzt die innere Seite an, so daß sich Formmasse
und Folie optimal verbinden. Durch die Lackschicht ist das Dekor
und damit auch das Formteil kratzunempfindlich geschützt.
Weitere geeignete Materialien sind PP, PS oder ABS.
Für Versuche und sehr kleine Serien können Hofzformen für den
Warmformprozeß eingesetzt werden. Die serienmäßige Produktion
erfordert Aluminiumformen, die ggf. mit Kühlkanälen
ausgestattet sind, umn eine Temperierung zu ermöglichen. In
optimal ausgelegten Formen sind der Schrumpf der Folie beim
Warmformen, die mechanische Belastung während des
Hinterspritzens und der Schrumpf des Produktes mit einbezogen.
Nicht nur Folienhauben aus amorphen Werkstoffen sondern
insbesondere Hauben aus (teil-)kristallinen Polymeren stellen an
die Warmformmaschinen hohe Anforderungen. Urn die optischen
Qualitäten der Dekorfolien nicht zu zerstören, erlauben sie nur
ein kleines Temperaturfenster beim Warmformen. Die
Warmformmaschine Multifoiler von Bürkie, Rheda-Wiedenbrück,
kontaktiert die Folie mit einer speziellen Elektroheizplatte.
Diese Technik erlaubt eine schnelle und gleichmäbige Erwärmung
im kleinen Temperaturbereich. Die Folie kann von der Rolle oder
als Zuschnitt in die Warmformmaschine eingelegt werden. Die
Hauben können elektrostatisch oder mit Vakuumpumpen im Werkzeug
gehalten werden. Je nach Tisch- und Haubengröße kann die Anlage
mehrere Hauben in einem Arbeitsgang erzeugen.
John Düring
Bild 2 Der Warmformprozeß: die elektrische Heizplatte kontaktiert die zu erwärmende Folie, anschließend legt sich mit Unterdruck die Folie um die Form (Werkbilder: Bürkle, Rheda-Wiedenbrück).
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